Stadt Mödling und Volkshilfe starten Aktionsplan gegen Kinderarmut!
Im Rahmen eines Pressegespräches stellte die Stadt Mödling mit Kooperationspartner Volkshilfe die neue Aktion gegen Kinderarmut in der Sala Terrena im Stadtamt vor. Bürgermeisterin Silvia Drechsler, Vizebürgermeister Rainer Praschak und Sozialstadtrat Stephan Schimanowa stellten gemeinsam mit Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger die Eckpunkte der Zusammenarbeit dar.
„Immerhin ist in Österreich fast jedes 5. Kinder armutsgefährdet und „arme“ Kinder werden gerade in einer sehr wohlhabenden Gesellschaft wie in Mödling noch rascher und dramatischer gesellschaftlich „unsichtbar“ und verlieren noch schneller den Anschluss an die Gesellschaft!“, so die Verantwortlichen.
Die Stadt Mödling hat gemeinsam mit der Volkshilfe den Kampf gegen Kinderarmut aufgenommen! Von links: Bürgermeisterin Silvia Drechsler, Sozialstadtrat Stephan Schimanowa, Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger und Vizebürgermeister Rainer Praschak haben mit dem Aktionsplan viel vor!
Mission-Statements der Aktion:
Stadt Mödling: Mit Unterstützung der Volkshilfe setzt die Stadt Mödling starke Aktionen, um armuts- und ausgrenzungsgefährdete Kinder zu unterstützen. „In Niederösterreich ist jedes siebte Kind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Für die betroffenen Kinder bedeutet dies häufig Benachteiligungen in Bildung, Freizeit und persönlicher Entwicklung sowie geringere Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe. Betrachtet man nur die Gruppe der 0-14-Jährigen sind das 35.000 Kinder. Mödling ist hier leider keine Ausnahme“, so Bürgermeisterin Silvia Drechsler und Vizebürgermeister Rainer Praschak.
Sozialstadtrat Stephan Schimanowa: „Mit einer Kinderbuch-Aktion, dem Volksheim/Grätzel-Treff-Raum für Geburtstage von Kindern und dem „Sportpass“ will die Gemeinde allen unter die Arme greifen, die sich Bücher oder Mitgliedbeiträge nicht leisten können und keine Räumlichkeiten für Feiern zur Verfügung haben. Dazu sind Vereinbarungen mit der Buchhandlung Kral in Mödling gemacht und viele Sportvereine zum Mitmachen aufgerufen. Bei materialintensiven Sportarten sollen auch anteilig Kosten übernommen werden“, informiert der zuständige Sozialstadtrat Stephan Schimanowa.
Erich Fenninger, Direktor Volkshilfe Österreich: „395.000 Kinder und Jugendliche in Österreich sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das sind 24 % aller Kinder und damit 65.000 mehr als noch im Vorjahr. Die Kinder können nicht an mit Kosten verbundenen Freizeitaktivitäten teilnehmen oder haben beengte Wohnverhältnisse. Das hat oft Ausgrenzung zur Folge und wichtig Entwicklungsimpulse gehen durch sozialen Rückzug verloren. Kinderarmut ist kein individuelles Versagen. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen. Umso schöner zu sehen, dass die Politiker*innen in Mödling Akzente setzen, soziale Teilhabe zu ermöglichen und gleichzeitig Gesundheit und Bildung von Kindern zu fördern. Jedes Kind soll die gleichen Möglichkeiten haben.“
Im Pressegespräch wurden die vielen Hürden und Probleme für von Armut betroffenen Kinder und Familien erläutert.
Volkshilfe Mödling wird Anlaufstelle für Kinderarmut
Der Schwerpunkt der organisatorischen Abwicklung in Mödling wird von der Volkshilfe Mödling mit Marion Klein (ehemalige Flüchtlingskoordinatorin), wird organisatorischen Ablauf übernommen. „Dort sollen auch sämtliche Informationen zusammenlaufen, die Unterstützung für betroffene Familien und Kinder soll möglichst niederschwellig erfolgen. Der Erstkontakt kann also beispielsweise über entsprechend geschultes und aufmerksames Personal in Kindergärtnerin, Schulen oder Horten erfolgen, die Personen werden dann auf kurzen Weg an das Angebot der Volkshilfe verwiesen“, erläuterte Schimanowa den organisatorischen Ablauf.
Vier Dimensionen der Kinderarmut
- Materielles: Ungenügende und/oder ungesunde Essensversorgung oder eine beengte, teils sogar hygienisch bedenkliche Wohnsituation wie zb im Falle einer Schimmelbelastung, Feuchtigkeit etc.
- Gesellschaftliches/Freundschaften: Keine Teilhabe bei schulischen Veranstaltungen, bei Sport-, oder Kulturereignissen oder kein Geld/Platz für das Feiern des eigenen Geburtstages führt früh zu einer gesellschaftlichen Isolation betroffener Kinder.
- Bildungsnachteil: Auf Grund der allgemein schwierigen Situation kommen die Kinder in der Schule oftmals nicht so gut mit, teure Nachhilfe ist natürlich nicht leistbar. „Arme Kinder von heute werden tendenziell zu den Arbeitslosen von morgen“, so Erich Fenninger.
- Gesundheit: Hochgradig belastete Kinder sind schwer gefährdet, schon im frühen Alter chronische Krankheiten zu entwickeln.
Die Aktion gegen Kinderarmut setzt bei diesen vier Dimensionen an:
- Schulungen für (sozial-)pädagogische Fachkräfte und Mitarbeiter:innen der Stadt „Kinderarmut erkennen und handeln. Vor allem Kräften in Kindergärten, Schulen oder Betreuungseinrichtungen sollen problematische Entwicklungen frühzeitig erkenne und gegensteuern können.
- Kinderbuch-Aktion der Gemeinde: Kampf gegen „Lesearmut“: 300 Bücher werden bei Kooperationspartner KRAL Buch Mödling gekauft und allen Kindern einer 1. Klasse in Mödling erhalten je zwei gratis Exemplare. Ausgesucht werden die Bücher mit den Mödlinger Volksschulen, die diese dann auch im Unterricht verwenden werden.
- Kindergeburtstag feiern im Volksheim/Grätzl-Treff: Zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten, um Kindergeburtstage feiern zu können. Zielt auf Familien ab, die auf Grund von beengten Wohnverhältnissen keine Feiern in den eigenen vier Wänden durchführen können. „Gerade ein Kindergeburtstag ist eine der ersten und wichtigsten Gelegenheiten, um Freundschaftskreise zu knüpfen. Wer es sich nicht leisten kann, einzuladen, wird sehr wahrscheinlich auch selbst nicht mehr eingeladen und verliert den gesellschaftlichen Anschluss schon sehr früh“, betonte Sozialstadtrat Schimanowa.
- „Sportpass Mödling“: Das Sozialreferat übernimmt je einen Mitgliedsbeitrag für sozioökonomisch benachteiligte Kinder bis 14 Jahre (es kommen Sozialrichtsätze zur Anwendung) und ermöglicht diesen somit die Teilnahme an Sportangeboten. Ein erstes, sehr positives Treffen mit den Sportvereinen hat stattgefunden. Die Abwicklung übernimmt die Volkshilfe Mödling.
- Sozialtarife: Neben dem Sportpass gibt es bereits viele soziale Tarife für unterschiedlichste Angebot der Stadt. „Wir werden auch heuer das Angebot der Hobby Lobby mit ihre vielfältigen kostenlosen Sportangeboten unterstützen. Weiters fördert die Gemeinde musikbegeisterte Kinder mit dem Sozialtarif der Musikschule, dieser Tarif gilt auch für den Besuch von Tagesheimen oder dem Hort. Auch ein eigenes Kinder-Kultur-Programm soll benachteiligten Kinder niederschwellig das Erleben qualitativ hochwertiger Produktionen ermöglichen“, so die Stadtverantwortlichen.